“Autobiografie & Retrospektive”        Rolf-Dieter Lenkewitz

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Cyberartis, mehr als eine Kunst

 

Rolf Dieter Lenkewitz

 

Inhaltsverzeichnis

                 

  1. Einleitung
  2. Cyberartis
  3. Die Sicherung von Erkenntnissen – Natur der Information
  4. Cyberspace, Chance und Risiko
  5. Erkenntnisfortschritt und Transformation
  6. Aufruf zum ganzheitlichen Erkennen
  7. Das Leonardo Prinzip
  8. Biologischer und digitaler Cyberspace
  9. Die Bedeutung der Metamorphosenlehren für den biologischen und digitalen Cyberspace
  10. Gentechnologie – Veränderung der biologischen Organisationen
  11. Der Modus unserer Existenz
  12. I. Cyberartis, der Orbitalbegriff für Kunst und Leben
  13. II. Was ist nun mit „Orbitalbegriff“ gemeint?
  14. III. Ansichten zur Entwicklung der Kunst
  15. Veränderung der politischen und kommunalen Organisationen
  16. Die Entwicklung der Bio-Techno-Sphäre – Wege zum globalen Diktat?
  17. Stufen der Entwicklung
  18. Der Jahrtausendplan.
  19. CONCIL 2000 – Der erste Schritt

Einleitung

 

Breitgefächert knüpfe ich Verbindungen zwischen Kunst, Design, Architektur, Literatur, Technik und anderen Gebieten des Wissens. Diese Verknüpfungen führen zu Objekten, Konzeptionen und Strategien eines Multi-Media-Verbundes. Die damit verbundenen Kontakte und Gespräche vertiefen Eindrücke zu kulturellen, wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen. Für mich entsteht dadurch ein Ideentransfer und Informationspool, der meinen Status „Freischaffender Künstler“ grundlegend verändert hat. Diese Veränderungen überschneiden sich mit früh entstandenen Intentionen, der Beschäftigung mit den Wissenschaften und der Entwicklung der Erde und ihrer Gesellschaft. In begleitender schriftstellerischer Arbeit reflektiere und formuliere ich hierzu Kriterien und Lösungsvorschläge.

 

Den Betrachtern meiner breitgefächerten Arbeitsfelder biete ich vielfältige inhaltliche Bezugspunkte. Nebeneinander präsentiert zeigen die Arbeitsergebnisse Inhalte und Strukturen in gemeinsamen Funktionen und dynamischen Relationen. Für mich ein Auslöser, nach vergleichenden Begriffen und einer ganzheitlichen Betrachtungsweise zu suchen. Mit der Schöpfung des Zentralbegriffes „Cyperartis“ versetzte ich mich in die Lage, Zusammenhänge aufzudecken und entstehende Fragen im gesamten Kontext zu beantworten. Notizen und Manuskripte aus einem 18-jährigen Zeitraum haben sich angesammelt und warten darauf, von mir ausgewertet zu werden. Bereits in den ersten schriftlichen Äußerungen findet sich mein Wunsch nach einer übergreifenden philosophischen Betrachtungsweise, die in der Lage ist, die Phänomene persönlicher Existenz, menschlicher und kosmologischer Entwicklung in einem Gesamtbild zusammenzufassen. Meine Arbeitsergebnisse entsprechen daher nicht einem Kunstaktionismus der laufenden Produktion der Exponate wegen, sondern den biographischen Sequenzen einer universalen Entwicklung, die Schritt um Schritt absolviert zu Aussagen verschiedenster Natur führen. Die rasante, gefahrvolle menschliche Entwicklung veranlasst mich, ausschnittweise einem geplanten schriftstellerischen Gesamtwerk mit der vorliegenden Textzusammenfassung „Cyberartis – mehr als eine Kunst“ vorwegzugreifen.

 

Meine Intentionen und Gedankenschlüsse sollen für die Weltgesellschaft Anregungen und Auslöser sein für veränderte Betrachtungseisen und korrigierende Handlungen. Ich bin der Ansicht, dass das Zusammenrücken der Volker alle in eine besondere Form der Verantwortung stellt, in übergreifenden Kooperationen mit erhöhter Bereitschaft zu Kompromissen tätig zu werden. Voraussetzung für die Entstehung dieser Verbindungen ist, unkonventionellen Verfahrensweisen die Tore zu öffnen, sich vom Konformismus didaktischer Vorgaben zu befreien und den Facetten persönlicher Fähigkeiten und Eigenschaften in übergreifenden Gemeinschaften größere Bedeutung einzuräumen.

 

Rolf Dieter Lenkewitz    Flensburg, 27.07.1992

 

Cyberartis

 

Ich betrachte mein Leben und die beteiligten schöpferischen Prozesse mit Gesichtspunkten der Kybernetik (gr.: Steuermannskunst). Sie beschreibt Steuerungs- und Regelungsvorgänge in math.- techn.- biol. und soziol. u.v.a. Vorgängen. Steuerung und Rückkopplung, zwei zentrale Begriffe der Kybernetik, helfen mir, die Struktur schöpferischer Prozesse (SSP) aufzudecken. Inspiration, Intuition, Assoziation, Kombination und Konstruktion liefern zusätzliche Begriffe aktiver Komponenten an den Nahtstellen übergreifender Verbindungen der SSP. Ich agiere in komplexen Prozessen während der Entstehung der Ideen und ihrer Umsetzung in die sichtbare Gegenwart. Dabei werden aktiv die genannten Bestandteile dieses Schöpfungsaktes in ständigem Dialog miteinander bewegt. Ich nenne meine Kunst Cyberartis, eine ans gr./lat. angelehnte Wortschöpfung, die als Steuerkünste übersetzt werden kann. Mit Cyberartis verleihe ich einer persönlichen Entwicklung Ausdruck, den Phänomenen, Erkenntnissen, Erfahrungen und Arbeitsergebnissen unterschiedlichster Natur gerecht zu werden.

 

Cyberartis erläutert nicht nur inhaltliche Hintergründe meiner künstlerischen Arbeit, sondern stellt Betrachtungen vor, die von allen Aspekten des Lebens bewegt werden. Für den einzelnen und die irdische Gesellschaft entsteht mit Cyberartis eine aktuelle Allegorie: „Wir, die Einzelnen und die irdische Gesellschaft, sind Steuernde, eingebunden in die Wogen komplexer Prozesse des Daseins und suchen darin Weg und Ziel.“ Diese Kybernetik des Menschen stellt eine immanente Struktur dar, die sich nicht nur im Geschehen des Bewusstseins, sondern auch in astrophysikalischen und anderen „Benutzeroberflächen“ wiederspiegelt.

 

Die von mir angewandte Entlehnung des Begriffes „Benutzeroberfläche“ aus der Computerterminologie soll die Entwicklung zu einer globalen ganzheitlichen Sichtweise entwickeln. Wir benötigen Begriffe, die in der Lage sind, den rasanten Veränderungen und Erweiterungen der Erkenntnisse von Mensch und Welt, Ausdruck zu geben. Benutzeroberflächen, wie Erd- und Wasserflächen, Luftraum, Weltall, Mikrokosmos, Papier und Bildschirm sind Raumbereiche, die schöpferische Prozesse des menschlichen Bewusstseins aus neuronalen und digitalen Netzen der biologischen und elektrischen Medien manifestieren. Linien und Strukturen werden sichtbar, die bereits in den ersten Momenten unserer Wahrnehmung rückkoppelnde Imperative für den Bewusstseinsprozess bilden. Der visuelle Sinn transportiert diese Imperative in die geistigen Projektionsebenen unserer neuronalen Netze, wo Sie im reflektierenden Bewusstsein Anteile am gesamten schöpferischen Bewußtseinsprozess gewinnen und dadurch auch imperativen Anteil am Fluss der Handlungen besitzen, die aus geistigen Räumen in gemeinsam greif- und sichtbare Wirklichkeit zurückfließen.

 

Die Sicherung von Erkenntnissen

Natur der Information

 

Der Natur kybernetischer Prozesse menschlichen Bewusstseins und Handelns näher auf die Spur zu kommen, führt zur Betrachtung der kulturhistorischen Entwicklung, Sicherung und Verbreitung der schriftlichen und bildlichen Information, die den menschlichen Erkenntnisprozess begleiten.

 

Von der Benutzeroberfläche Stein, als Trägerschicht von bildlichen und schriftlichen Informationen, avancierte zuerst das Buch mit seiner Trägerschicht Papier zum Instrument der globalen Sicherung und Verbreitung der Informationen. Die Buchinhalte, vieltausendfach durch uns reproduziert, ermöglichten das Erlernen der Erkenntnisleistungen Anderer. Die Entdeckungen und Entwicklungen, die zu elektronischen Informations- und Kommunikationssystemen führen, erweitern und beschleunigen die Verbreitungen von Informationen. Fast zeitgleich zu ihrer Entstehung sind die Informationen, die die Erkenntnisse anderer fixieren, global verfügbar. Ein kybernetischer Prozess vollzieht sich, indem wir nicht nur in statischer Monotonie Informationen nachvollziehen und in uns abspeichern! Es ist ein Lernprozess, in dem wir die Erkenntnisleistung Anderer mit zusätzlichen Informationen verknüpfen. Dies führt zu einer erweiterten Form des Erkenntnisgegenstandes selbst. Die Zunahme der Informationen bläht, wie Luft den Ballon, die Bereiche des Wissens auf. Immer schwerer fällt es uns, die Gesamtheit angesammelten Wissens detailliert zu überschauen. Der menschliche Erkenntnisprozess findet in Milliarden von Einzelgehirnen statt, die in einer symbiotischen Struktur der Bio-Technosphäre eingebunden einzelne Wissenschaftsbereiche bearbeiten.

 

Diese Tatsache ist von weitreichender Bedeutung und wirft u.a. folgende elementare Fragen auf: Wie gliedern sich die Verhältnisse der Quantität von Informationen im Vergleich zu ihrer Qualität? Wie verhält sich die Natur der Informationen zum Erkenntnisprozess?

 

Die Ansätze von Beantwortung für diese Fragen entwickelten für mich die Hintergründe von Kommunikation und menschlicher Entwicklung. Wie anfangs beschrieben, sind eine Vielzahl von Begriffen wie Inspiration, Intuition, Assoziation und Kombination in uns aktiv, die menschliches Bewusstsein und Handeln erläutern. Die Natur der Information wird mitgestaltet durch die Ganzheit menschlich aktiver Sinne und beteiligter Komponenten. Eine Eigenschaft der Information, hervorgerufen durch in uns angelegte Eigenschaften des Bewusstseins, ist der Chiffrecharakter. Die Natur der Information besitzt 1. eine dechiffrierte Sequenz, die wir unmittelbar durch unsere grundlegenden Erfahrungen zu entziffern beginnen, und 2. eine chiffrierte Sequenz, die für uns eine Art intuitive, ausstrahlende bewegte Existenz erzeugt, der wir begegnen in unmittelbarer Wahrnehmung ohne Reflexion entstehender Erkenntnisse. Hier tritt eine Veranlagung menschlicher Natur in einem wesentlichen Merkmal zutage: Unsere Wahrnehmungsnatur kann gereizt werden, ohne die Anstrengung des Bewusstseins nach sich zu ziehen, Erkenntnisse ableiten zu müssen. Wir verspüren dadurch Vergnügen, reflektierend in Bilderfluten aufzugehen. Eine Herausforderung an die menschliche Existenz ist gestellt und führt zu der Frage: Formulieren wir Ziele, entwickeln wir uns ausgewogen oder gehen wir unter in einer Wahrnehmungsnatur ohne reflektierende Erkenntnisse?

Cyberspace, Chance und Risiko

Am Beispiel von Cyberspace, den virtuellen Realitäten, die mit dem Computer erzeugt werden, lässt sich diese Herausforderung mit ihren Chancen und Risiken ablesen. Cyberspace erschafft virtuelle Bilddimensionen, in die ein Einstieg in die Ausschließlichkeit dieser „Benutzeroberflächen“ ohne ganzheitliche Reflexion unserer biologischen Existenz einem notwendigen, schrittweisen Vollzug unserer Entwicklungsphasen in fataler Weise vorgreift. Cyberspace ermöglicht Wahrnehmungs- und Kommunikationsformen, in der Sprache, Schrift und formulierte Erkenntnisse unvollkommene Vehikel sind, die den erzeugten Bilddimensionen und den damit verbundenen Prozessgeschwindigkeiten im Wege stehen.

In einer nicht allzufernen Zukunft existiert eine Gemeinschaft von Wesen, die in wechselnden Bilderwogen kommuniziert und sich auf die eigenen neuronalen und digitalen Benutzeroberflächen beschränkt. Diese Gemeinschaft verzichtet damit auf die traditionellen Benutzeroberflächen wie Erd-Wasser-Luftraum, Stein- oder Papieroberfläche. Cyberspace erleichtert die Umsetzung geistiger Projektionen in gemeinsam sichtbare Bildschirmoberflächen gegenüber einer zähflüssigen Umsetzung in materie-gebundener Form (z.B. in der Form von Modellen). Ein Missverhältnis entsteht zwischen den grandiosen Möglichkeiten unserer Entwicklung, wie sie in Cyberspace ihren Ausdruck findet und den nicht gelösten Problemen durch die Ausbeutung Transformation der irdischen Ressourcen und Organismen. Wir müssen daher die neuen Instrumenete, wie Computertechnologien und Cyberspace sie darstellen, in enorm gesteigertem Maße auf die Lösung der Probleme der Bio-Techno-Sphäre anwenden. Denn es besteht die Gefahr, dass die Bio-Techno-Sphäre mit ihren negativen Rückkopplungen uns die Lebensgrundlagen entzieht.

Erkenntnisfortschritt und Transformation

Unsere Evolution des Bewusstseins und des damit verbundenen Erkenntnisfortschrittes basiert auf einem Transformationsprozess. Der Mensch im einzelnen und in der Masse stellt ein effektives Verwandlungssystem dar. In wachsender Entinität werden durch die geistigen und biologischen Eigenschaften des Menschen sämtliche auf der Erde vorkommenden Substanzen und Organismen für seinen Schöpfungsakt und seine Ernährung transformiert. Transformiert durch einen psychischen und physischen „Verdauungsapparat“ werden diese Ressourcen in chemische Konglomerate, technisch-elektronische und biotechnische Systeme verwandelt.

Die erzeugten Systeme gewinnen durch die immanente Vielzahl biologischer, chemischer, mechanischer und elektrischer Prozesse an Eigendynamik und werden so selbst zu aktiven Transformatoren, die sich in Rückkopplungsprozessen an ihre Umgebung auswirken.

Gegenwärtig erleben wir, wie durch menschlichen Erkenntnisfortschritt die Biosphäre der Erde überzogen wird mit einer transformierenden künstlichen Struktur. Die natürliche Biosphäre wird verdrängt und es entsteht eine Bio-Techno-Sphäre mit gigantischen Rückkopplungsprozessen (z.B. das Ozonloch) für die Erde. Diesen Auswirkungen stehen wir steuernd und korrektiv gegenüber. Doch das Ausmaß der in Gang gesetzten kybernetischen Prozesse übersteigt zunehmend das Steuervermögen des Verursachers Mensch. Die Erde und ihr Symbiont Mensch in diesem spezifischen Transformationsprozess sind einem ungewissen Schicksal ausgeliefert. Die Weichenstellung für diese Entwicklung liegt in der Natur unserer Spezies und in der frühen Phase unserer Evolution. Diesen Prozess ergänzt der beschriebene Aspekt, dass Einzelgehirne einzelne Erkenntnisstufen erarbeiteten, ohne sich langfristigen Folgeerscheinungen bewusst zu sein. Hier müsste groteskerweise nachträglich an die Menschen der Vergangenheit die Forderung gestellt werden, die Auswirkungen ihrer Erkenntnisse über Jahrhunderte hinweg abzuschätzen. Der Erkenntnisprozess der menschlichen Gesellschaft und die Entwicklung der Kommunikationstechniken erleichtert und beschleunigt die Wissensvermehrung. Geistige Leistungen Einzelner sind fast zeitgleich zur ihrer Entstehung global verfügbar. Dieser Aspekt fördert ebenso die Unbeherrschbarkeit der wachsenden Bio-Techno-Sphäre.

Ich stellte die Frage nach der Natur der Information und entwickelte einige Ansätze für die Beantwortung dieser Frage. Im Zusammenhang einer zeitgleichen globalen Verfügbarkeit von Informationen sollte ihre Struktur zu dem Aspekt des neuen Bewusstseins, dass geistige Leistungen sehr langfristige Auswirkungen besitzen, verändert werden. Eine veränderte Struktur von Information könnte heißen, die kybernetischen Folgeerscheinungen der Information zu untersuchen, zu bewerten und festzuhalten. Diese Untersuchungen und Abschätzungen von Folgeerscheinungen werden selbst zu einer Wissenschaft, die andere Wissenschaftsbereiche durchdringend ergänzt. Die Erde wächst zusammen zu einem sensiblen künstlichen Gebilde, in dem lokale Ereignisse sich auf die gesamte Bio-Techno-Sphäre an jedem anderen Ort auswirken können. Hieraus entsteht die Forderung, in gewaltigen Anstrengungen globale Institutionen für die Menschheit zu schaffen, die die kybernetische Struktur der Bio-Techno-Sphäre gestalten und korrektiv beeinflussen.

Aufruf zum ganzheitlichen Erkennen

Die Zunahme der Information in den Bereichen von Erkenntnis erfolgte explosionsartig, erzeugte eine Spezialisierung von Fachbereichen, zog Unverständlichkeit nach sich und behinderte in der 1. Phase die Entstehung übergreifender Perspektiven. Die Welt wurde den Lebenden immer unendlicher.

Welche Einstellungen und Maßnahmen können diese Entwicklung verändern? Nicht nur Konstruktion, Kombination und Assoziation sind zutreffende Begriffe für die vielschichtige Natur unserer Bewusstseinsprozesse, sondern ebenso Intuition und Inspiration sind beteiligte Komponenten. Daraus folgt, nicht nur dem wissenschaftlichen Erkenntnisprozess und seinen Überprüfungen durch Experimente den Vorzug zu geben, sondern auch autodidaktischen und intuitiven Lern- und Erkenntnisprozessen. Die Befreiung von Konformismus des Professionellen und zwingender didaktischer Strukturen führt zu anderen Lösungs- und Handlungsstrategien. Heben wir die Trennungen zwischen Akademikern und Autodidakten weiter auf, die zunehmend grotesker angesichts der Spezialisierung der Wissenschaftsbereiche erscheint: Jeder Akademiker, der sich über seinen Fachbereich hinauswagt, könnte als Autodidakt betitelt werden!

Die Anerkennung übergreifender Kommunikation und der ganzheitlichen, zuweilen unerklärlichen Natur unserer Erkenntnisse könnte der globalen Unverständlichkeit der ineinandergreifenden Lern- und Kommunikationsprozesse entgegenwirken.

Das Leonardo-Prinzip

Leonardo da Vinci, der als Wegbereiter für moderne Technik und wissenschaftliche Vorgehen gilt, ist von weitreichender Bedeutung für die Entwicklung der Menschheit. Die Verschmelzung von Kunst, Technik und Wissenschaft in seinen Werken beinhaltet ein wertvolles Prinzip menschlicher Natur. Leonardo da Vinci begegnete mit seiner ganzen Existenz und der Summe seiner Begabungen und Reflektionen der Welt. Die Trennungen von Kunst, Wissenschaft und Technik existierte für ihn nicht! Keine Hindernisse in der Form von didaktischen Zwängen oder Quantitäten von Informationen behinderten seinen intuitiven und analytischen Verstand. Diese fließende Vollständigkeit vielschichtigen Bewusstseins und seiner menschlichen Natur, wie sie in der Person Leonardo da Vincis zum Ausdruck kommt, stellt ein wesentliches Prinzip dar: Zu schrittweisem Vollzug der Informationsaufnahme gesellt sich die intuitive, abstrakt wirkende Art und Weise in blitzschnellen Gedankenschlüssen Informationen aufzunehmen und neuen Erkenntnissen den Weg zu bereiten. Diesen Aspekt nenne ich das „Leonardo-Prinzip“ und rege an, diesem Prinzip zu neuer Gültigkeit für die Gegenwart zu verhelfen. Bewusstseinsprozesse, Gedankenblitze, wiederhallend in neuronalen Netzen als geformte bioelektrische Impulse, bilden zu uns unbekannten Vorgängen im erkennenden Bewusstsein unsere geistige Existenz. Dem Leonardo-Prinzip zu folgen, setzt sowohl voraus, unkonventionellen Verfahrensweisen zuzustimmen, als auch unbekannten wirkenden intuitiven Eigenschaften des schöpferischen Bewusstseins reale Wirkungskraft zuzuschreiben und sich vom Konformismus didaktischer Vorgaben zu befreien. Erheben wir die Ganzheit unserer Wahrnehmungsnatur gleichrangig neben einen Wissenschaftsprozess und seiner Überprüfung durch Experimente.  

Biologischer und digitaler Cyberspace

Die Ganzheit unserer Natur wird belebt durch die Fähigkeit zu blitzschneller, starker bildlicher Vorstellungskraft, Ideen, Objekte und Strukturen in geistigen Projektionen zu erzeugen, zu reflektieren, zu analysieren, um sie dann mit unseren Händen in Materie gebundene Existenz zu überführen. Dies ist unser biologischer Cyberspace, der in unserem System neuronaler Netzwerke agiert.

Unsere menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet durch den biologischen Cyberspace: Nach den inneren Bildern formen wir mit unseren Händen die Materie. Der computererzeugte Cyberspace stellt mit dieser vorgestellten Betrachtungsweise das logische Ergebnis einer fortgesetzten Entwicklungslinie dar. Die Existenz sozusagen materieloser Gedankenprojektionen in uns, dieser Cyberspace, begleitet und fördert die biologische Evolution von Anfang an. Ich vermute hier die Wirkung eines philogenetischen Codes und den Hinweis auf die Herkunft des seelischen Bewusstseins. Die Vergegenwärtigung des ich-bewussten Denkens und seiner geistigen Projektionen hilft auch dem langanhaltenden Konflikt nach der Frage der Unterscheidungen zwischen Geist und Materie, neue Impulse zu verleihen.

Meiner Ansicht nach beweist die Existenz und die Wirkungen des Cyberspace in uns die nachhallenden Prägungen eines Urbewusstseins. In uns und durch uns wirken die Linien von Metamorphosen zum fernen Mündungspunkt unserer schicksalshaften Wege. Die Dramatik unseres Schicksals liegt in weitgehender Unkenntnis der Abläufe der kosmologischen Metamorphose. Je mehr wir vorrücken, kosmologische Abläufe zu verstehen, desto eher werden wir unsere Entwicklung verstehen und verändern. Das Gebot der aktuellen Sunde ist, den Vergleich von Informationen zu fördern, denn viele Lösungen und Antworten liegen bereits unerkannt vor! Für das Leonardo-Prinzip abschließend gesprochen: Entwickeln wir die Ganzheit unseres Wahrnehmungsbewusstseins, reißen wir die Barrieren zwischen akademischen und autodidaktischen Lernprozessen nieder, um geistige Potentiale freizusetzen und die Kommunikation untereinander zu fördern.

Die Bedeutung der Metamorphosenlehren für den biologischen und digitalen Cyberspace

Die Lehre der Metamorphose wurde von J. W. v. Goethe in seiner Schrift „Metamorphose der Pflanzen“ mitbegründet. Er entdeckte die Identität der Pflanzenorgane mit dem Stammblatt in der Botanik. Textauszug von J.W. v. Goethe: „...dass es doch nur eine Grundform sei, welche in der unendlichen Menge einzelner Pflanzenindividuen erscheint,... dass in dieser Grundform die Fähigkeit unendlicher Abänderung liege, wodurch die Mannigfaltigkeit aus der Einheit erzeugt wird. Es ist ein Gewahrwerden der Form, mit der die Natur gleichsam nur immer spielt und spielend das mannigfaltige Leben hervorbringt“. Und am 17. Mai 1787 schreibt er an Herder:“... dass ich dem Geheimnis der Pflanzenerzeugung ganz nahe bin und dass es das Einfachste ist, was nur gedacht werden kann. Die Urpflanze wird das wunderlichste Geschöpf von der Welt, um welches mich die Natur selbst beneiden wird. Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen ins Unendliche erfinden, die konsequent sein müssen, d.h. die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten und nicht etwa malerische oder dichterische Schatte und Scheine sind, sondern ein innere Wahrheit und Notwendigkeit haben. Dasselbe Gesetz wird sich auf alles Lebendige ausdehnen lassen.“ Hier sind von J. W. v. Goethe elementare Prinzipien aufgedeckt, die sich wie rote Fäden durch die gesamten Facetten unserer Existenz ziehen. Wenden wir konsequenter diese Prinzipien für die Aufdeckung der Entwicklung von Mensch und Kosmos an. Ich hebe hervor: Die Bedeutung der Metamorphosenlehre für den biologischen Cyberspace in uns liegt in der unmittelbaren Anwendung ihrer Prinzipien auf die Entwicklungslinien geistiger Bildprojektionen in unserer Vorstellung. Wer meiner Vorstellung des biologischen Cyberspace gefolgt ist, wird wissen: Der biologische Cyberspace ist der geistige Raum, in dem unser Bewusstsein und unsere schöpferischen Kräfte ursächlich aktiv sind und die Transmutation der geistigen Imaginationen über unsere Hände in materielle Schöpfungen vorbereitet werden. Wenn wir die Objekte betrachten, die materiell manifestiert wurden, sehen wir, dass entsprechend den Prinzipien der Metamorphosenlehre, ein und dieselben einheitlichen Grundformen unendlich variiert werden. Unzählige Dias, angefertigt von artverwandten Entwicklungsformen in chronologischer Reihenfolge, würden, in Bildüberschneidungen und Zeitraffer abgespielt, die Metamorphose als eine Art fließende Woge erscheinen lassen. Die Entwicklung von Bauwerken, Nähmaschinen, Trinkgefäßen, urbanen Strukturen und von biologischen Gliedmaßen, ja, von allen Dingen des Lebens, würden in solchen übereinandergelegten Diaprojektionen als Prozess einer Metamorphose sichtbar werden. Auf diese Weise zeigt sich deutlich die Verwandtschaft zu den Grundformen. Wir können hier direkt ablesen, wie ein übergeordneter Prozess in uns immanent ist und unser Schöpfertum in Anteilen mitsteuert.

Merkmal der Evolution ist die Beschleunigung der Umsetzung geistig schöpferischer Ideen in materiegebundene Existenz! Diese Beschleunigung wird durch die Erweiterung der menschlichen Wahrnehmungs- und Handlungsorgane in technisch-elektronische Organe gefördert. Auf diese Weise kann sich die Metamorphose unseres Schöpfertums mit seinen Ergebnissen in immer schnellerer Abfolge außerhalb des biologischen Cyberspace manifestieren.

Diese Abfolge kann durch die Aufzählung der Umsetzungsinstrumentarien in loser chronologischer Linie unterstrichen werden:

  •   Handwerkzeuge
  •   Zeichnung
  •   Malerei
  •   Laterna Magica
  •   Fotografie
  •   Fernsehen
  •   Zeichentrickfilme
  •   Motoren
  •   Computer
  •   Mikromotoren
  •   Gentechnologie
  •   Datenhandschuh
  •   CNC-gesteuerte Werkzeugmaschine
  •   Cyberspace
  •   Neuronaler Computer
  •   usw.

Immer schneller und immer leichter können wir übergreifende Verbindungen herstellen und unsere schöpferischen Ideen aus der Projektion unseres Geistes in materielle Zustände überführen.

Meine Darstellungen verändern auch die klassische Vorstellung von Bewusstsein, Energie und Materie, Substanzen und Organismen. Alle biologischen „Erzeugnisse“ der Natur und die menschlichen Erzeugnisse modifizieren einen multivariablen „Urstoff“, der ein Konglomerat aus allen von uns begrifflich getrennten Erscheinungsformen darstellt. Dieser Urstoff kann sich selbst bewusst sein, kann Materie in einem Mesokosmos sein, kann Energie im Mikrokosmos sein u.v.a.m. Wie sage Goethe treffend: „... Die Einheit aus der Mannigfaltigkeit“. Je nach Organisationsgrad der Strukturen nimmt dieser „Urstoff“ unterschiedliche Erscheinungsformen ein.

Die Wandlungsfähigkeit des Urstoffes könnte auf einem philogenetischen Code basieren, der Herkunft, Zweck und Ziel unserer Existenz und der des Kosmos entschleiert.

Die kosmische Metamorphose vollzieht sich und wird über ihre immanenten menschlichen Glieder sich selbst bewusst und erfährt für den irdischen Bereich verbindlich gesehen eine Beschleunigung ihrer Prozesse. Der digitale Cyberspace, wie er derzeit entwickelt wird, spiegelt den biologischen Cyberspace wieder. Das Zusammenwirken des digitalen und biologischen Cyberspace eröffnet Möglichkeiten auf die Umsetzungen der schöpferischen Kräfte in klassische Benutzeroberflächen zu verzichten: Wozu mit CNC-gesteuerten Maschinen gemeinsam sichtbare Modelle herstellen, wenn die gemeinsame Betrachtung der Bildschirmoberflächen ebenso alle Blickwinkel zulässt? Die zwingenden Gründe, die der Ausschließlichkeit eines Aufenthaltes in virtuellen Realitäten im Wege steht, ist die Organisation unserer Körperlichkeit und unserer sozialen Struktur.

Die Bedeutung der Metamorphose für den digitalen Cyberspace muss deutlich mit folgenden Schlüssen erläutert werden: Die Bilderwelten des digitalen Cyberspace variieren in Fortsetzungen die Bilderwelten unseres biologischen Cyberspace und bewegen sich in den Bedingungen vierdimensionaler Existenz. Der goethische Hinweis: „... ins Unendliche erfinden“, auf den digitalen Cyberspace angewandt, zeigt die Möglichkeit zu enormer Beschleunigung der Abfolge der „Erfindungen“ auf, realisiert als energetische Projektionen auf Bildschirmoberflächen, die leicht modifiziert werden können. Diese vereinfachte Form, Erfindungen darzustellen, verändert die Vorstellung einer zeitlichen Länge der Unendlichkeit. Damit stellt sich im biologischen und digitalen Cyberspace das Prinzip der Metamorphose als zeitnahes Geschehen dar.

Gentechnologie – Veränderung der biologischen Organisationen

Die Möglichkeiten zur Veränderung der Gene sind durch das immanente Prinzip der Metamorphose und der Transformation in Verbindung mit dem schöpferischen Sich-Bewußt-Sein vorbereitet. Die archaische „Gentechnologie der Natur“ modifiziert Arten im kybernetischen Wechselspiel mannigfaltiger Faktoren der Umgebung und der inneren Organisation. Mit wachsendem Umfang der Bio-Techno-Sphäre, erbaut aus menschlicher, schöpferischer Erkenntnis, nimmt die Anzahl und der Einfluss von Mutationsfaktoren zu. Zufälliges Auftreten von Mutationsfaktoren in der Evolution waren in der Häufigkeit eingeschränkt durch das Gleichgewicht der Natur. Die Bio-Techno-Sphäre weist ein solches aus Evolution hervorgegangenes Prinzip des Gleichgewichtes und der Ausgeglichenheit nicht mehr vor. Die Ergebnisse unseres Schöpfertums sind nicht in einer Evolution geprüft und modifiziert, sondern werden fast zeitgleich mit ihrer Entstehung der Struktur der Bio-Techno-Sphäre beigefügt. Dort beginnen sie, wie im Textteil: „Erkenntnisfortschritt und Transformation“ erläutert, an Eigendynamik zuzunehmen und sich in kybernetischen Rückkopplungsprozessen in ihrer Umgebung auszuwirken. Neuere Erkenntnisse von Holger Hyden, einem schwedischen Gehirnforsche (siehe „Veränderung der Ribonukleinsäure durch Glia-Zellenreizung“), weisen deutlich nach, wie wir im Wechselspiel zu unserer Umgebung beginnen uns biologisch zu modifizieren. Die Reizung der Glia-Zellen geschieht durch die Einflussnahme der Umgebung auf unsere Wahrnehmungsorgane, die wir an die neuronalen Netze in uns weiterleiten. Die Tatsache, dass die Ribonukleinsäure in den Gliazellen sich verändert, weist auf den Mechanismus der „archaischen Gentechnologie der Natur“ hin. Hier wird ein Mechanismus aufgedeckt, wie Veränderungen der Umgebung biologische Organisationen längerfristig modifizieren. Erkenntnisse von Charles Darwin weisen auf zusätzliche Faktoren und die zeitliche Länge solcher Entwicklungen hin.

Der Modus unserer Existenz

Der Modus unserer Existenz könnte in Übergangsphasen in allen Aspekten frei wählbar werden und erlauben, die biologische Organisation und die äußere Gestalt frei zu bestimmen. Dies wird große Auswirkungen auf die Sozialisation haben! Für mich entstehen hier die Fragen nach einer geistigen Hygiene, nach der menschlichen Ethik und der Entwicklung der Friedfertigkeit in uns. Auffallend hierbei ist, daß unsere menschliche Natur, die sich durch kriegerische Impulse, Hegemonialstreben und analytische Desintegration äußert, sich nicht erheblich mit den erweiterten biologischen und technischen Möglichkeiten mitentwickelt: In schrecklichen Visionen stellt sich eher eine Welt dar, in der die unter der Hülle des Menschen verborgenen Abgründe sichtbarer werden und mit neuen Machtpotentialen weiter agieren. Vorstellbar ist, daß die einzelnen Gruppierungen mittels der Gentechnologie ihrer inneren Überzeugungen äußerlich sichtbar unterstreichen, z. B. indem sie ihre Gestalt verändern lassen. Gruppierungen könnten auf diese neuen Möglichkeiten zurückgreifen. Die Gentechnologie könnte zu einer Mode des Körpers führen. Ob Schuppenpanzer oder Flügel - alles wäre möglich. In Fantasie und Utopie spielen wir dies schon längst durch. Der Außerirdische in den utopischen Romanen stellt im Prinzip nichts anderes dar, als eine Modifikation aus einem Gestaltungskonglomerat bekannter biologischer Formen. Über die Ästhetik läßt sich ja bekanntlich endlos streiten. Also in einer Demokratie jedem sein Schuppenpanzer und seine Flügel. Die Ironie der Formulierung darf aber nicht über die Notwendigkeit einer Willensbildung zur Ethik hinwegtäuschen: Wir benötigen den Aufbau einer neuen Ethik, die den Veränderungen unserer menschlichen Spezies gerecht wird. Leitlinien dieser neuen Ethik könnten lauten:
Du mußt die Veranlagungen zu freier Meinungs- und Handlungsäußerungen im Anderen unterstützen und fördern.
Du darfst deinen Nächsten nicht ohne deren freie Zustimmung klonen oder seine biologische Organisation verändern.
Du darfst keine gentechnologischen Organisationen schaffen, die anderen Schäden zufügen.
Vergleichen und analysieren wir die bekannten Weltreligionen, Philosophien und Wissenschaften, die demokratischen Prinzipien und menschlichen Grundrechte. Ziehen wir die wesentlichen Impulse heraus und formulieren wir ein tragfähiges Fundament einer neuen Ethik für Phänomene unserer Gegenwart.

I. Cyberartis, der Orbitalbegriff für Kunst und Leben

Wer meinen Ausführungen gefolgt ist, kann den Erläuterungen der Existenz eines Bio-Cyberspace in uns, den Zusammenhängen von Kybernetik und Metamorphose folgen. Kunst war und ist unmittelbarer Ausdruck der schöpferischen Kräfte in uns, mit der wir Ideen, Erkenntnisse, Perspektiven und Absichten unserer Existenz zum Ausdruck bringen. Der Begriff "Kunst" hängt in der Etymologie der Sprache mit "Können", "Erkennen" und "Erkenntnis" zusammen. Kunst spiegelt damit unsere historischen Erkenntnisstufen und zeitgenössischen Ausdrucksformen wieder. Kunst ist so mannigfaltig wie das Leben selbst. Kunst kann naive, mystische, rätselhafte, pädagogische, abstrakte, groteske, humoreske, ästhetische, rebellische u.v.a. Impulse vermitteln!

Merkmal unserer menschlichen Entwicklung ist der Wegfall bestehender Grenzen zwischen Bereichen des alltäglichen Lebens, der Kultur und der Wissenschaften. Neuartige Verknüpfungen zwischen ehemals getrennten Gebieten führen zu multifunktionalen Strukturen, die die Facetten des Lebens neuartig verbinden. Die menschliche Trennung durch Begriffe wie Kunst, Design, Architektur, Werbung, Handwerk u.v.a.m. werden zu historischen Stufen einer Terminologie, die den rasanten Entwicklungsfortschritt nicht mehr anschaulich beschreibt. Die Entwicklung der Wortverbindungen dokumentieren diesen Prozeß: Kunsthandwerk, Handwerkskunst, Schriftkunst, Genkunst, Genkünstler, Biocomputer, Proteindesign, Kommunikationsdesign usw. Auch hier findet der Prozeß der Metamorphose aller Dinge seinen deutlichen Ausdruck.

II. Was ist nun mit "Orbitalbegriff" gemeint?

Die Antwort ergibt sich, indem ich auf die grundlegende Schwierigkeit, die der Inhaltsbestimmung der Begriffe anhaftet, aufmerksam mache. Ein Begriff schafft in erster Linie einen Koordinationspunkt, das begrifflich benannte im Wissens- und Lebenskonglomerat aufzufinden, in zweiter Linie eröffnet er die Erläuterung seiner Inhalte durch den Menschen. Der menschliche Erschließungsvorgang der Inhalte ist ohne relativierende Aspekte und unscharfe Relationen undenkbar. In vergangenen Stufen unserer Entwicklung war die Annäherung an Inhalte über ihre begrifflichen Festlegungen leichter zu bewerkstelligen, und zwar 1., weil die Inhalte eine geringere Informationstiefe als heute aufwiesen, und 2., weil ihre Abgrenzung als unumstößliche Tatsache empfunden wurde und damit eine inhaltliche Lokalisation leichter durchzuführen war.
Relativität und Unschärfe sind zwei aktuelle Begriffe aus der Astrophysik. Sie lassen sich auf die Vorgänge der Begriffsbestimmung und der Frage nach der Natur der Informationen unmittelbar anwenden. Genau wie in der Physik wird jede Größe durch das umgebende Bezugssystem festgelegt. Verändert sich das Bezugssystem, verändert sich auch die Größe. Anstatt als Bezugssystem die Größe der Erde zu betrachten, die das Ausmaß von Schwerkraft und Gewichten bestimmt, können wir den einzelnen Menschen als ein Bezugssystem betrachten, in dem wahrgenommene Inhalte bestimmt werden. Die Relativität des Vorgangs in der Physik, wie in der vorgestellten Allegorie, wird durch die Wechsel der Bezugssysteme verursacht. Auf diese Weise kann ein künstlerisches Ergebnis, das von vielen tausend "menschlichen Bezugssystemen" betrachtet wird, eine Vielzahl verschiedenartiger zueinander entgegengesetzter Attribute zugeordnet bekommen. Man muß sich fragen, wie es überhaupt möglich ist, zu einer Eingrenzung des Erkenntnisgegenstandes zu gelangen? Im Betrachtungsgegenstand selbst liegt eine zwingende Prägung, die vom dominierenden Inhalt des Erkenntnisgegenstandes ausgeht.
Die Unschärferelation Werner Heisenbergs besagt, daß der Wahrnehmungsvorgang zu einer Ortsveränderung des Betrachtungsgegenstandes führen kann. Je kleiner die zu betrachtenden Partikel im Elektronenmikroskop, desto größer die Wahrscheinlichkeit, mit den Elektronen, die eigentlich vom Gegenstand reflektiert werden sollen, diese wegzudrücken und damit nicht sichtbar werden zu lassen. Die Unschärferelation läßt sich direkt auf die Bestimmung der Begriffe und ihrer Inhalte anwenden: Der Erkenntnisvorgang wirkt ebenso inhaltsverändernd und führt uns vom Kern des Betrachtungsgegenstandes weg.
' Meine Einführung "Orbitalbegriff' trägt dem inhaltlichen Hauptanteil in Begriffen der Tatsache relativer und unscharfer Annäherung an die Inhalte Rechnung. Der Zusatz "orbital" weist aus: Benennung und Definition duch Begriffe sind flexible Inhaltsbereiche (Raumbereiche des Inhaltes), denen wir uns in Wahrscheinlichkeiten und Unschärfe in der Betrachtung nähern.
Cyberartis stellt für mich den Orbitalbegriff für alle Lebensbereich dar, in denen schöpferische Kräfte mit uns und durch uns gesteuert werden. Cyberartis ist damit mehr als eine Kunst. Cyberartis, die Steuerkünste, bildet einen Begriff für das menschliche, schöpferische Leben, das sich in mannigfaltigen Facetten vollzieht und vollzogen wird.

III. Ansichten zur Entwicklung der Kunst

Mit der Bevölkerungsexplosion auf unserem Planeten und der Zunahme der freien Zeit für die berufstätigen Menschen in einer technokratischen Gesellschaft nimmt auch die Anzahl der Kunstschaffenden zu. Cyberartis reflektiert die Kunst als elementaren Aspekt des schöpferisch tätigen Bewußtseins, das beeinflußt wird von immanenten Eigenschaften wie Transformation und Metamorphose. Grundlegend wird dadurch die Betrachtungsweise von Kunst als Privileg Einzelner, ausgestattet mit besonderen Fähigkeiten, verändert.
Die Veränderungen, die sich in der Kunst unserer Gegenwart abzeichnen, bestätigen die Integration von Elementen aus allen Lebensbereichen in künstlerische Arbeiten und Kunstkonzepte. Immer deutlicher zeigt sich, daß alle Elemente dieser Welt zu Kunst transformiert werden können. Voraussetzungen sind, die Elemente eines Raumes oder eines Inhaltes aus den bestehenden Rahmen in andere Bezugssysteme zu transportieren. Zu diesen Orts- und Inhaltsveränderungen werden zusätzliche Gedanken, Inhalte oder Absichten dazukomponiert. Entstandene neue Relationen und fremde Inhalte verursachen uns Betrachtern Befremdlichkeit und Nachdenklichkeit und brechen mit unseren gewöhnlichen Betrachtungsweisen. Nachdem wir uns an die veränderte Situation angepaßt und sie gemeinschaftlich akzeptiert haben, verkehrt sich die ursprüngliche Empfindung von Neuartigkeit, Befremdlichkeit und Nachdenklichkeit in Normalität und Alltäglichkeit um.
Die Erweiterung des Kunstbegriffes bringt es mit sich, daß inhaltliche Fundamente, die Auswahlkriterien für Kunst schaffen sollen, ihre Gültigkeiten verlieren. Zunehmend dirigieren persönliche, wirtschaftliche und politische Faktoren die Auswahlkriterien für moderne Kunst. Zu den sehr positiven Aspekten, wie z. B. dem Zugang der Kunst in alle Lebensbereiche, gesellen sich groteske Aspekte, wenn die Exponate aufgebläht und überhöht in einer Königsstuhlposition präsentiert werden, die ihrer eigentliche profanen Natur nicht zustehen. Die Kunst befindet sich auf dem Weg zur Massenbewegung und wird sich dadurch selbst, als elementarster Ausdruck menschlicher Existenz, revolutionieren.

Veränderung der politischen und kommunalen Organisationen

Die Struktur der politischen und kommunalen Organisationen und ihrer direktiven Glieder sind mit der Natur des Menschen und der Steuerung der kybernetischen Struktur der wachsenden Bio-Techno-Sphäre überfordert. Genau betrachtet wird die Bio-Techno-Sphäre selektiv dirigiert. Die übergeordneten Leitorgane, wie die Parlamente der Länderregierungen, sind Komponente unter vielen, die in der Bio-Techno-Sphäre agieren.
Für die Struktur der Bio-Techno-Sphäre lassen sich aktuelle Vergleiche zu neuen Erkenntnissen aus der Chaostheorie ziehen: Sie zeigen, wie empfindlich ein umfangreiches strukturiertes System umfassend auf eine kleine Veränderung reagieren kann. Eine neue Redensart sagt: Schon das Flattern eines Schmetterlings in Hong-Kong könne in New York ein Gewitter auslösen. Das Prinzip der Rückkopplung führt hier den Flügelschlag des Schmetterlings als eine Abfolge von Ursachen und Wirkungen fort. Z. B. könnte der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Vogel zur Veränderung seiner Flugbahn veranlaßt haben, der dadurch mit einer Glasscheibe zusammenstößt, die einen Riß bekommt, so daß der Glaser kommen muß. Auf seiner Fahrt verliert dieser aber eine brennende Zigarette, die zu einem Flächenbrand führt, dessen Rauchbildung lokale Luftturbulenzen verursachen usw. ... Sicherlich wird in der Wirklichkeit diese Abfolge länger und differenzierter sein, aber sie zeigt uns auf, wie Verknüpfungen entstehen könnten.
Es leuchtet uns auch ein, daß die Zunahme der Anzahl von Rückkopplungsfaktoren die Komplexität und Verknüpfungen von Ursachen und Wirkungen in einer steilen Kurve anwachsen läßt. Meiner Ansicht nach können wir direktiv und korrektiv handeln, sofern die unterschiedlichen Organisationen übergeordnete Bewußtseins- und Handlungsorganen in neuartigen Strukturen ausbilden.
Für die Veränderung der politischen und kommunalen Organisationen bedeutet das eine Ausbildung zu multifunktionalen Foren und globalen Institutionen. Sinnvoll ist eine Abänderung ihrer inneren Strukturen zu organisch-technischen Gebilden unter Einbeziehung aller erreichbaren Erkenntnisse, die wir z. B. für neuronale und digitale Netze erlangt haben. Denkbar ist, die Organisation im Mikrokosmos hierfür umfassend zu bewerten. Jeder Hinweis, der zu einer Optimierung der Organisationsstruktur führen könnte, sollte untersucht werden.
Der angeregte Prozeß wird aber nur in einer Kooperation unterschiedlichster Persönlichkeiten und ihrer Fähigkeiten auf den Weg gebracht werden. Der erste Schritt besteht darin, den bestehenden Organisationen Foren zuzuordnen, in denen Intellektuelle, Autodidakten, Spezialisten und ein Rat der Weisen permanent kommunizieren und agieren können (Crossing Over).
Die entwickelte neuartige Struktur der politischen und kommunalen Organisationen sollte sich in jeden Teilaspekt hinein neu arrangieren. Denkbar ist eine zusätzliche Veränderung der Sitzplätze im Parlament zu multifunktionalen Daten- und Erholungsterminals für eine Vielzahl von Interaktionen. All dies könnte die Arbeitsgeschwindigkeit, fachliche Informationstiefe und letztendlich die Natur der gemeinsam beschlossenen Direktionen positiv beeinflussen. Multifunktionale Geräte an jedem Platz wie Bildschirmtelefon, aktuelle Nachrichtenmedien, Fax, Abrufmöglichkeiten für eine Enzyklopädie und andere Informationen sowie Kommunikation mit allen Teilnehmern wird eine praxisnähere Organisation ermöglichen. Wir wissen: Übergreifende Kooperation ermöglicht die Ausnutzung besonderer Fähigkeiten.
Meine ausschnittweise vorgestellten Überlegungen sollen Impulse vermitteln, sich in Kooperativen zusammenschließen und in erweiterten Formen die von mir angeregten Veränderungen für die Organisationen auszuarbeiten.

Die Entwicklung der Bio-Techno-Sphäre - Wege zum globalen Diktat?

Die globalen Vernetzungen der biologischen und technologischen Strukturen führen zu einer Bio-Techno-Sphäre. Je dichter und komplexer die biologischen und technologischen Faktoren in gegenseitige Abhängigkeiten treten, desto mehr zeigen sich die negativen Folgen einer großen Anzahl diametral handelnder Steuerungsorgane, wie z. B. die verschiedenen Länderregierungen sie darstellen. Die Auswirkungen diametraler Handlungsweisen verstärken den Effekt der Rückkopplungsprozesse, die aus der von mir beschriebenen Eigendynamik der erzeugten chemischen, biologischen und technisch-elektronischen Prozesse resultieren.
Die Verstärkung negativer Rückkopplungen erklärt sich aus der selektiven Position des Steuernden, der in einem begrenzt überschaubaren Bereich agiert. Zum besseren Verständnis weise ich erneut auf die von mir beschriebene Allegorie der Auswirkungen eines Flügelschlags eines Schmetterlings in Hong-Kong auf das Wetter in New York hin: Diese Beschreibung der Abfolgen von Ursachen und Wirkungen schafft eine ungefähre Vorstellung der Entstehung von Rückkopplungsprozessen und der Verstärkung eines scheinbar geringen Faktors zu ungeahnter Größe. Die selektive Position eines Steuernden, der in einem begrenzt überschaubaren Bereich in den Strukturen der globalen Vernetzung agiert und Auswirkungen korrigieren will, kennt nicht die Ursachen und Wirkungsabfolgen, die zum wahrgenommenen Ereignis führten. Aktuell setzt sich hier die Auffassung durch, Ereignisketten als Algorithmen anzusehen, die durch Entwicklung von Computerprogrammen, die der natürlichen Selektion von Evolutionsprozessen nachempfunden sind (siehe Spektrum der Wissenschaft 9/92), optimierter gesteuert werden können. Diese Computerprogramme beinhalten eine Steuerungsposition, die der lokalen Vernetzung in übergeordneter Weise gegenübersteht. Dieses Muß einer übergeordneten Position entspringt anscheinend auch einem in uns immanenten biologischen Instinkt: Symbiotische Lebensverbände, wie der Zell- und Organismenverbund des menschlichen Körpers, wären nicht lebensfähig, wenn einzelne beteiligte Komponenten, wie die Darmbakterien aus der gegenseitigen Ergänzung ausscheren. Darmbakterien, die diametrale Aktionen entfalten, würden den Verdauungsapparat in eine funktionsunfähiges Chaos überführen. Ähnlich auch der hervorragend organisierte Ameisenstaat, der durch die Aufgabe des Einzelindividuums an ein übergeordnetes System, großartige Überlebensleistungen vollbringen kann. Die Logistik des Ameisenstaates würde durch diametrale Einzelaktionen ihrer Individuen zerstört.
Der symbiotische Lebensverbund unseres Körpers unterliegt der Steuerung eines sich individuell bewußten Gehirns. Das Gehirn, Trägerkörper des biologischen Cyberspace, agiert in den geistigen Projektionen über jede biologische Begrenzung hinaus: Das heißt, es entsteht ein langanhaltender Konflikt zwischen den Möglichkeiten der menschlichen Kreativität aus dem biologischen Cyberspace und den biologischen Bedingungen unserer Körper und Lebensgemeinschaften. Die Bio-Techno-Sphäre beweist mit ihren Resultaten dieses "Ohne Grenzen" schöpferische Schaffen. Die biologischen Bedingungen der Trägerkörper, wie der menschliche Körper und die Erde welche darstellen, werden weder detailliert berücksichtigt noch anerkannt. Eine schwierige komplexe Situation entsteht aus instinktiven und bewußten Grundlagen, Herr der Lage werden zu wollen. Es entsteht der Weg zum globalen Diktat, in der die Chancen zur individuellen Freiheit der Funktionsfähigkeit der global vernetzten BioTechno-Sphäre geopfert werden könnte.

Stufen der Entwicklung

Die Wege zum globalen Diktat resultieren aus den speziellen Problemen, Milliarden von Einzelwesen und die von ihnen geschaffene Bio-Techno-Sphäre zu koordinieren. Muß daher über das globale Diktat hinaus gefragt werden: Führt die Aufgabe des Einzelindividuums für die Funktionsfähigkeit des Ganzen in der utopischen Konsequenz zu einer Verschmelzung in einem Superbewußtsein? Halten wir für die Beantwortung dieser Frage grundlegend fest: "Der Mensch will leben"! Der Motor für diese Kraft ist der uns aufgeprägte biologische Überlebenswille, weniger die errungene Erkenntnis einer übergeordneten kosmischen Bedeutung des menschlichen Lebens. Mit diesem Lebenswillen gepaart ist die menschliche Kreativität, die eher bereit ist, mit den neuen Möglichkeiten der Gentechnologie, biologische Organisationen neu zu schaffen und zu verändern, als die geistigen Errungenschaften auf die Bedingungen des vorgegebenen Biologischen auszurichten, was ja einer Eingrenzung der menschlichen Kreativität gleichkommen würde. Dadurch rückt in unsere Nähe die Vorstellung, nach Verbrauch der Erde die Ressourcen anderer Planeten zu erschließen und für die irdische Bio-TechnoSphäre nutzbar zu machen. Darüber hinaus wird an die Besiedelung anderer Planeten gedacht, auf denen sich der irdische Prozeß prinzipiell wiederholt. Diese Vorstellungen können nur entstehen, weil sie als unveränderliche Faktoren angenommene Größen voraussetzen: Den Fortbestand der "psychischen und physischen Verdauung" und der sexuellen Fortpflanzung zu immer mehr Einzelindividuen! Eine bemerkenswerte Relation von kosmischer Bedeutung entsteht hier für die Aspekte Ernährung, Verdauung und Fortpflanzung. Der Wegfall dieser Größen würde zu ganz anderen Vorstellungen über die Entwicklung der menschlichen Existenz führen.
Die Vorstellung der Besiedelung und Ausnutzung anderer Planeten für den menschlichen Prozeß ist durchaus denkbar, aber mit einigen entscheidenden Aspekten kritisch zu verknüpfen. Die uneingeschränkte Besiedelung von Planeten über den näheren Erdkreis hinaus wird mit den Bedingungen des Raum-Zeit-Kontinuums, wie sie in der Relativitätstheorie von Albert Einstein niedergelegt sind, an Grenzen stoßen. Jeder Raumtransporter, der eine bestimmte Streckenlänge überschreitet, wird den zeitlichen Bestimmungsort seiner Reise nicht erreichen können. Selbst, wenn die Lichtgeschwindigkeit für Raumfahrzeuge erreicht werden könnte, würde dies Problem nicht gelöst werden. Zum anderen, und darin liegt für mich die tiefe Bedeutung, ist das Bild eines ausgebeuteten Universums, in dem die, durch die expandierende Menschheit, verbrauchten Planetenkugeln als stinkende Kloaken radioaktiv verseucht ihre Bahnen ziehen, eine grauenhafte Vorstellung. Dies soll das Ergebnis der menschlichen Kreativität sein und der Weg zu kosmischen Bestimmungen?! Ganz andere Utopien sind nötig, Vorstellungen von der Entwicklung der Menschheit zu erlangen.
Betrachten wir die kurze zeitliche Episode der menschlichen Entwicklung im Vergleich zu kosmischen Zeitläufen und übertragen wir dieses Verhältnis auf die Faktoren Ernährung, Wissenschaft und Fortpflanzung, scheint es eher wahrscheinlich zu sein, daß wir unseren biologischen Trägerkörper umorganisieren, verändern oder verlassen, als ihn beizuhalten. Damit würden auch die Faktoren, wie die Notwendigkeit der Ernährung und der sexuellen Fortpflanzung als unveränderliche Faktoren in Frage gestellt! Bedenken wir, zu welchen Ergebnissen die Entwicklung der menschlichen Wissenschaften in den letzten 200 Jahren führte, so können wir nur vermuten, welche unglaublichen Veränderungen uns in den nächsten 200 bis 1000 Jahren erwarten. Selbst unsere utopische Literatur, die schon oft den Beweis erbrachte, ein Ereignis oder eine Entwicklung zu einem sehr früheren Zeitpunkt abschätzen zu können, wird nicht einmal annähernd diese Entwicklung vorausschauend beschreiben können.
Die Verschmelzung der Einzelindividuen in einem Superbewußtsein stellt eine von vielen denkbaren Stufen dar, die die Menschheit beschreitet. Die Zukunft als variable Größe anzusehen führt dann zu der Konsequenz, Orientierungspunkte für eine längerfristige Wegstrecke der menschlichen Entwicklung zu schaffen.

Der Jahrtausendplan

Der Blick in die Zukunft führt zum Spiel mit möglichen Entwicklungen, die unsere Handlungen in den der Gegenwart beeinflussen. Je besser wir Folgen abschätzen, Orientierungspunkte schaffen und Ziele formulieren, desto eher erhalten wir ein tragfähiges Fundament als Basis für die menschliche Entwicklung. Angesichts der dramatischen Ereignisse, die einem Black Out unseres Planeten wahrscheinlich werden lassen, muß folgendes in einem bedeutungsvollen Licht gesehen und behandelt werden: Die Erarbeitung eines Jahrtausendplans hat für die Völker der Erde oberste Priorität. Vorbedingung ist die Einrichtung globaler Institutionen, die mit Hilfe der neuen Technologien menschliches Wissen in allen Bereichen vergleichen und die daraus resultierenden Ergebnisse für neue Lösungsvorschläge und Leitlinien nutzbar machen.
Mein Vorschlag für die Aufstellung eines Jahrtausendplans scheint eine undurchführbare Forderung zu sein, wenn man bedenkt, welche ungelösten, kurzfristigen Probleme für die Weltgesellschaft bestehen: Zersplitterung in gegensätzliche Interessengruppen, regionale Kriegsherde, Stagnation der Wirtschaftssysteme, ungerechte Verteilung der Nahrungsmittel, Hungerkatastrophen usw. Aber gerade die wachsende Anzahl der Ereignisse mit negativen Folgen und die Tatsache, daß die unmittelbar entstehenden Gegenmaßnahmen nicht zu ihrer langfristigen Eindämmung und Beseitung führen, schafft die Notwendigkeit, einen Jahrtausendplan zu erarbeiten und in die Tat umzusetzen.

CONCIL 2000 - Der erste Schritt

Die Ihnen vorgestellten Abhandlungen sollen als Aufforderung verstanden werden, in übergreifender Kooperation von Kunst, Kultur und Wissenschaft für die Vielzahl bestehender lokaler und globaler Aufgabenstellungen neuartige Strategien der Betrachtung und der Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Ich rege an, in kleineren und größeren Kreisen unter dem Motto "CONCIL 2000" Versammlungen einzuberufen, in der Vertreter aus allen Bereichen des Lebens zusammen kommunizieren. Meine Wortwahl "CONCIL" entlehnt aus dem lateinischen Wort für Versammlungsort "conciliabulum" die ersten Buchstaben. Für die Realisation des CONCIL 2000 ist die Bildung von Arbeitsgruppen eine Vorbedingung.
Cyberartis erläuterte in der Einleitung: "Wir, die Einzelnen und die irdische Gesellschaft, sind Steuernde, eingebunden in die Wogen komplexer Prozesse des Daseins und suchen darin Weg und Ziel." Es stellt eine Kunst dar, die Entwicklung der Menschheit zu gestalten. Schaffen wir die Foren, welche diese Aufgaben formulieren und lösen können.