“Autobiografie & Retrospektive”        Rolf-Dieter Lenkewitz

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Der Abschnitt Kritik und Politik illustriert meine Aktivitäten mich analytisch, kritisch und politisch mit aktuellen Entwicklungen auseinanderzusetzen. In diesem Rahmen entstanden Korrespondenzen und Reaktionen, die Ihnen einen weiteren Einblick in meine Gedankenwelten geben. Die nachfolgenden Ausschnitte stehen in enge Beziehung zu den Autorenblogs die ich seit Juni 2010 auf www.freiewelt.net veröffentliche. <Download Blogs als PDF>

Sehr geehrter Herr Lenkewitz,
anbei finden Sie die Antwort von Prof. Sinn.
Mit herzlichen Grüßen,
***Birgit Bahr***
Ifo Institute for Economic Research
Business Cycle Analyses and Financial Markets
Poschingerstrasse 5
81679 Munich. Germany
phone: +49 89 9224 1375
fax: +49 89 9224 1460
e-mail: bahr@ifo.de
http://www.cesifo-group.de/link/_ifocv_bahr_b
 
 
 
Sehr geehrter Herr Lenkewitz, 
ich teile Ihre Bedenken zu einem guten Teil. Zu den Robotern habe ich mich schon genug geäußert. Es kann nicht Sinn und Zweck des Wirtschaftens sein,
 
Werkhallen für Roboter statt für Menschen zu entwerfen, und die Menschen dann untätig vom Sozialstaat alimentierten zu lassen. Wir müssen wieder zu
 
einer Wirtschaftsweise zurückfinden, die allen, die arbeiten können, auch Arbeit verschafft. Wie das geschehen kann, hat das ifo Institut mit seinem
 
Programm der aktivierenden Sozialhilfe dargelegt.
 
Was den Derivate-Handel betrifft, bin ich auch skeptisch, wenngleich nicht so skeptisch wie sie. Mit Derivaten kann man Risiken sehr gut abdecken. Sie sind ein unverzichtbares Element in der Sicherungsstrategie der Unternehmen geworden. Risikomärkte sind extrem wichtige Märkte für das Funktionieren eines Systems. Dessen ungeachtet stimme ich zu, dass die Prozesse zum Teil so komplex werden, dass sie niemand mehr durchschaut und dass erhebliche Systemrisiken drohen, die nur durch eine straffe Finanzaufsicht, möglichst auch auf europäischer Ebene gelöst werden können. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat dazu in ihrem Jahresbericht 2003 ein Kapitel geschrieben.
 
Sie finden den Bericht auf unserer Homepage zum Herunterladen:
 
<a href="http://www.cesifo-group.de/DocCIDL/forumspecial_chap4_2003.pdf">"Financial Architecture"</a>,

 in: Report on the European Economy 2003, München, 2003, S. 98-117.
 
 
http://www.cesifo-group.de/DocCIDL/forumspecial_chap4_2003.pdf
 
 
Mit freundlichem Gruß
 
Ihr Hans-Werner Sinn
 
   
  
Ifo Institute for Economic Research
Business Cycle Analyses and Financial Markets
Poschingerstrasse 5
81679 Munich. Germany
phone: +49 89 9224 1375
fax: +49 89 9224 1460
e-mail: bahr@ifo.de
http://www.cesifo-group.de/link/_ifocv_bahr_b
 

Email an Prof. Sinn 26.01.2007 21:51:28  Rolf-Dieter Lenkewitz,87769 Oberrieden,--->
   
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn,
 
im Sandsturm der Informationen fällt es mir persönlich immer schwerer den tatsächlichen Kurs von Deutschland abzuschätzen.Was ich bei Ihnen vermisse ist eine grundlegende Kritik am Finanz- und Währungssystem. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses System fortbestehen kann, angesichts der strukturellen Probleme, angesichts der Entwicklung "Arbeit ohne Zukunft". Als Projektmanager im Automotive-Bereich, in der Robotik habe ich die Ambitionen der Autobauer kennengelernt: -Die vollautomatische Fabrik der Zukunft- weitgehend ohne menschliche Arbeitskraft zu realisieren. Im Bankenbereich habe ich als Informatiker die verselbständigten Finanzinstrumente, z.B. im Bereich Optionshandel, Derivate gesehen. Beide Erfahrungen bergen sozialen Sprengstoff in sich.

1. kann ich nicht glauben, dass Milliarden von Menschen Roboter entwerfen und bauen und 2. kann ich nicht glauben das verselbständigte Finanzinstrumente der Banken mit Geld Geld zu verdienen dem Wohl der Menschen dienen!
 
Also ist es nicht an der Zeit die Kräfte zu bündeln für die Zeit nach dem Crash?
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Rolf-Dieter Lenkewitz
 
www.ocmts.de

 

Von: rolf_ocmts_de [mailto:r.lenkewitz@ocmts.de]
Gesendet: Montag, 17. September 2007 09:42
An: Schürmann, Christof
Betreff: Ihr Artikel WIWO Wenig Chancen für Notenbanken

 


Was mir in der Berichterstattung fehlt!
 
Sehr geehrter Herr Schürmann,
Ihr Artikel hat mir sehr zugesagt, bitte erlauben Sie mir
in diesem Kontext darauf aufmerksam zu machen dass die
Berichterstattung wichtige Fragen und Faktoren ausklammert.
 
Mich würde sehr interessieren inwieweit die nachfolgenden
Informationen Bestandteile Ihrer redaktionellen Arbeit sind.
 
In der fortgeschrittenen Optionspreistheorie der Derivate werden
3 Formen von Ausgleichzahlungen genannt:
 
Formen der Ausgleichszahlung
 vorher definierter Betrag,
dessen Höhe im Hinblick auf die Besicherungsquote oder den
geschätzen Payoff im Konkursfall festgelegt wird; in 3% der Fälle
 
 Cash settlement (100% - Recovery Rate), d.h. Auszahlung der
Differenz zwischen dem Marktwert des Underlyings (ohne Credit
Event) und dem Marktwert, der sich nach Ablauf einer bestimmten
Frist nach dem Credit Event einstellt; in 24% der Fälle
 
 Kontrahent nimmt den Schuldtitel zum Nennwert entgegen (physische
Lieferung); in 73% der Fälle

 

Bei geschätzter globaler Derivatensummen von $500 Trill. Notional Value,
also berücksichtigt dass Trillion /Engl.  = Billion
sind es
500 Billionen USD  = 500 000 Milliarden USD
die theoretisch zur Disposition stehen.
 
Lt. diversen Aussagen sind bisher ca. 6000 Milliarden Verlust in der Krise
entstanden. Viele US-Experten sprechen davon dass erst 10% der Krise
eingetreten sind, das wird jüngst auch von Greenspan ähnlich formuliert.
 
Wieviele Milliarden sind bisher von den Notenbanken getendert?
 
Selbst wenn nur z.B. 25% der 500 Billionen USD ausfallen kann diese
Summe nicht mehr in praktikabler Form mit frisch gedrucktem Geld
ausgeglichen werden.
 
Auch die Experten, jüngst Mr. Hank Paulson verweist auf die Komplexität
der fortgeschrittenen Investmentptodukte. Es wäre daher eine sehr herausfordende
Aufgabe zu berechnen wieviel genau davon auf Grund der Entwertungen / Herabstufungen
im Rating fällig werden.
 
Das Kuriose dabei ist ja auch der Faktor -elektronisches Buchgeld-,
also virtuelles Geld, nur noch basierend auf Vertrauen, durch keinen
gebundenen Goldstandard mehr gedeckt.
D.H. hinter den Finanzkonstrukten steht eigentlich nichts anderes als
der Zauberer, der Oberzocker der aus dem Nichts Geld erschafft.
Nun wird in einer globalen Größenordnung nicht mehr vorhandenes Geld
eingefordert.
 
Diese Zusammenhänge und Fragen werden zu wenig erörtert.
 
Weitergehend würde ich sagen, wirkliche Auslöser sind nicht
die Amerikaner in der Subprime-Immobilienkrise sondern das System
selbst, das immer mehr ungedecktes Geld produziert und die Staaten,
die immer mehr von diesem wertlosen Geld ausgeben um Ihre Ziele
zu finanzieren. Auf Grund der Inflation und der Höhe Ihrer Ausgaben
erheben Sie immer Steuern und indirekte Abgaben und die Bürger
am unteren Ende haben nun in den USA die Domino-Kettenreaktion
ausgelöst.
 
Ich halte es für undenkbar das die von Investment-Mathematikern entwickelten Finanzprodukte
für die Zukunft bestand haben, Sie dienen zuwenig der Allgemeinheit und
gefährden den sozialen Frieden. Die Frage ist ob die Menschen in der Lage sein werden
die Systeme zu reformieren.
 
Noch etwas: Wenn man diese und anderen Informationen berücksichtigt dann ist die
Wahrscheinlichkeit eines globalen Crashs in nie gekannter Größenordnung sehr
wahrscheinlich, ich finde es daher erschreckend wie unwissend die Politiker reagieren
und wie wenig die deutschen Medien darüber berichten (Thema Vorsorge, Schutz der
Bevölkerung).
 
Ich beschäftige mich seit 2001 mit Wirtschaftsfragen und Finanzinstrumenten.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Rolf D. Lenkewitz
Informatiker und Freischaffender Künstler

Antwort Email von  WIWO:

Sehr geehrter Herr Lenkewitz,
 
schönen Dank für Ihre (äußerst fachkundige) Zuschrift.Ich möchte jetzt nicht im Detail auf Ihre Anmerkungen eingehen, sondern habe stattdessen eine WiWo-Geschichte vom vergangenen Herbst beigefügt, nach deren Lektüre Sie sicher erkennen können, dass wir Ihre Einschätzungen teilen (s.u.). Nur kurz: Sie haben völlig recht, die Notenbanken werden die Probleme kaum "wegtendern" können, dafür ist das Volumen "virtuellen Geldes" viel zu groß. 
Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Spaß mit der WiWo

 Christof Schürmann

 WirtschaftsWoche

 Christof Schürmann

 Ressort Geld

 Kasernenstraße 67

 40213 Düsseldorf

 Tel. ++49/ (0) 211/887-2127

 Fax ++49/ (0) 211/887-97-2127

 Email christof.schuermann@wiwo.de

Sehr geehrter Herr Professor Kreiss,

bezugnehmend auf Ihren Beitrag

FH Aalen: Weltwirtschaftskrise wiederholt sich nicht
vom 23.03.2004 - (idw) Fachhochschule Aalen

 

halte ich die Krise 1929 nicht für vergleichbar

mit den heutigen Fakten und Phänomenen. Zum Zeitpunkt Ihres

Artikels war noch vieles anders, so waren z.B. die exotischen

Finanzkonstrukte (z.B.) noch nicht so weit entwickelt wie heute.

Haben Sie einen aktuellen Beitrag erarbeitet der im Kontext

zu Ihrem Beitrag aus 2004 steht? Über eine kurze Rückmeldung freue ich mich.

 

Mit freundlichen Grüßen
Rolf D. Lenkewitz

 

 

Sehr geehrter Herr Lenkewitz,

danke für Ihr Interesse. Nein, ich habe keinen Nachfolge- Artikel mehr geschrieben, mich aber natürlich weiter mit dem Thema beschäftigt. Ich sehe momentan eine kritische Entwicklung v.a. in Spanien. Eine Kurzversion dazu anbei, für den Fall, dass es Sie interessiert.

Die momentane Lage an den Finanzmärkten ist eher beunruhigend, wenn man die Notenbank- Maßnahmen ansieht. Dass die EZB in Europa 25 Mrd. Dollar anbietet ist ein Unikum und lässt auf eine recht kritische Einschätzung seitens der Notenbanken schließen. Ebenso die großen Geldmengen, die momentan seitens der Notenbanken in das Bankensystem eingeschleust werden, deuten auf eine schwierige Situation.

Herzliche Grüße

Christian Kreiß

 

Spanien vor Finanzkrise?

 

Der spanische Immobilienboom 1996 bis 2006 in historischer Perspektive:

Wirtschaftsgeschichtlicher Vergleich des spanischen Immobilienbooms von 1996 bis 2006, des Immobilienbooms in Japan von 1980 bis 1990 und des US- Immobilienbooms von 1996 bis 2006

 

Von Prof. Dr. Christian Kreiß

 

Kurzversion

 

Fazit: Aus wirtschaftsgeschichtlicher Sicht steht Spanien derzeit vor einer größeren Immobilien- Bereinigungskrise als die USA. Der hierdurch wahrscheinlich demnächst ausgelöste Wirtschaftsabschwung kann durch die spanische Notenbank aufgrund der Euro- Zugehörigkeit nicht durch Zinssenkungen und eine Abschwächung der Landeswährung abgefedert werden, wie es derzeit in den USA geschieht. Die Auswirkungen einer abzusehenden spanischen Finanz- und Wirtschaftskrise auf Deutschland und die Euro- Zone dürften gravierender ausfallen als diejenigen der US- Immobilienkrise.

 

1. Die Finanzmarktturbulenzen im Spätsommer 2007 wurden bekanntlich von der US- Immobilienkrise ausgelöst. Dieser Krise ging ein etwa zehn Jahre dauernder starker US- Immobilienboom voraus, der offenbar zu Überbewertungen von US- Immobilien führte. Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt fand jedoch in Spanien im selben Zeitraum ein weitaus stärkerer Immobilienboom statt, der noch immer anhält. Spanien mit einer Bevölkerung von knapp 45 Millionen Menschen baut derzeit mehr Wohneinheiten als Deutschland, Frankreich und Italien zusammen, die gemeinsam eine Bevölkerung von über 200 Millionen Menschen haben. Dieser Zustand ist - bei Betrachtung mit gesundem Menschenverstand - völlig unhaltbar.

 

2. Die spanischen Immobilienpreise stiegen in den letzten zehn Jahren deutlich stärker als in den USA, aber nicht so stark wie in den 1980er Jahren in Japan. Die Überbewertung spanischer Immobilien dürfte derzeit stärker sein als diejenige in den USA, allerdings nicht so dramatisch wie in Japan um 1990. Im historischen Vergleich besteht ein deutlicher Korrekturbedarf für spanische Immobilienpreise. Ähnlich wie in Japan in den 1990er Jahren dürfte damit ein Börsenabschwung einhergehen.

 

3. Der Bausektor spielt in der spanischen Wirtschaft im Gegensatz zu den USA eine außergewöhnlich große Rolle. Ein bevorstehender Abschwung in der Baubranche dürfte zu einem allgemeinen Wirtschaftsabschwung führen. Dieser zunächst durch die Baubranche ausgelöste spanische Wirtschaftsabschwung, gepaart mit einem Immobilienpreisrückgang dürfte wie seinerzeit in Japan die spanischen Banken belasten und über geringere Kreditvergabebereitschaft zu einer weiteren Verstärkung des spanischen Wirtschaftsabschwungs führen.

 

4. Das Leistungsbilanzdefizit der USA beträgt derzeit in historischer Perspektive sehr hohe 5,5% des BIP. Ein solches Defizit ist nach Meinung der meisten Sachverständigen auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten, da es langfristig zu einer sehr hohen Auslandsverschuldung führt. Das spanische Leistungsbilanzdefizit ist jedoch - von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt - ungleich höher als das US- amerikanische. Es beträgt zur Zeit etwa 9% vom BIP. Das heißt von 100 Einheiten Gütern und Dienstleistungen, die die Spanier verbrauchen, werden derzeit nur etwa 91 selbst produziert, 9 werden aus dem Ausland auf Pump eingekauft. Die Auslandsverschuldung Spaniens steigt derzeit rapide an. Spanien ist zur Aufrechterhaltung seines Lebensstandards auf massive Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen. Bei Einsetzen des oben skizzierten zu erwartenden Wirtschaftsabschwungs, begleitet von einem Rückgang der Immobilienpreise und sinkenden Aktienkursen dürften die ausländischen Investoren nicht länger bereit sein, Kapital im bisherigen Umfang in Spanien anzulegen. Der Wirtschaftsabschwung dürfte sich dadurch weiter verschärfen.

 

5. Im Unterschied zu den USA und Japan kann die spanische Notenbank die Leitzinsen nicht senken, wie es die US- Notenbank derzeit tut, um eine sich abschwächende Wirtschaft zu stützen, da Spanien Mitglied im Euro- Währungsverbund ist. Im Unterschied zum US- Dollar kann sich die spanische Landeswährung infolge von Zinssenkungen nicht abwerten, um das in historischer Perspektive extrem hohe Leistungsbilanzdefizit abzubauen und die Wirtschaft über vermehrte Exporte anzukurbeln. Das Fehlen nationaler geldpolitischer Handlungsspielräume dürfte daher den einsetzenden Wirtschaftsabschwung weiter verschärfen und könnte zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise Spaniens führen. In diesem Falle kann nicht ausgeschlossen werden, dass Spanien den Austritt aus dem Euro- Währungsverbund erwägt.

 

Angaben zum Autor:

Der Autor studierte Volkswirtschaftslehre und promovierte in Wirtschaftsgeschichte in München. 1993 bis 1995 war er aufgrund sehr guter Spanischkenntnisse u.a. für das Spaniengeschäft der Commerzbank AG zuständig. Nach neun Jahren Berufstätigkeit als Bankier unterrichtet er seit 2002

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entwurf  Psychoide Fraktale in Arbeit, eine Rohfassung des Buchprojektes kann ggf. übersandt werden.

Bitte nehmen Sie zu mir Kontakt auf

r.lenkewitz@ocmts.de