“Autobiografie & Retrospektive”        Rolf-Dieter Lenkewitz

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Sehr geehrter Herr Professor Kreiss,

 

bezugnehmend auf Ihren Beitrag

FH Aalen: Weltwirtschaftskrise wiederholt sich nicht
vom 23.03.2004 - (idw) Fachhochschule Aalen

 

halte ich die Krise 1929 nicht für vergleichbar

mit den heutigen Fakten und Phänomenen. Zum Zeitpunkt Ihres

Artikels war noch vieles anders, so waren z.B. die exotischen

Finanzkonstrukte (z.B.) noch nicht so weit entwickelt wie heute.

Haben Sie einen aktuellen Beitrag erarbeitet der im Kontext

zu Ihrem Beitrag aus 2004 steht? Über eine kurze Rückmeldung freue ich mich.

 

Mit freundlichen Grüßen
Rolf D. Lenkewitz

 

Sehr geehrter Herr Lenkewitz,

danke für Ihr Interesse. Nein, ich habe keinen Nachfolge- Artikel mehr geschrieben, mich aber natürlich weiter mit dem Thema beschäftigt. Ich sehe momentan eine kritische Entwicklung v.a. in Spanien. Eine Kurzversion dazu anbei, für den Fall, dass es Sie interessiert.

Die momentane Lage an den Finanzmärkten ist eher beunruhigend, wenn man die Notenbank- Maßnahmen ansieht. Dass die EZB in Europa 25 Mrd. Dollar anbietet ist ein Unikum und lässt auf eine recht kritische Einschätzung seitens der Notenbanken schließen. Ebenso die großen Geldmengen, die momentan seitens der Notenbanken in das Bankensystem eingeschleust werden, deuten auf eine schwierige Situation.

Herzliche Grüße

Christian Kreiß

 

Spanien vor Finanzkrise?

 

Der spanische Immobilienboom 1996 bis 2006 in historischer Perspektive:

Wirtschaftsgeschichtlicher Vergleich des spanischen Immobilienbooms von 1996 bis 2006, des Immobilienbooms in Japan von 1980 bis 1990 und des US- Immobilienbooms von 1996 bis 2006

 

Von Prof. Dr. Christian Kreiß

 

Kurzversion

 

Fazit: Aus wirtschaftsgeschichtlicher Sicht steht Spanien derzeit vor einer größeren Immobilien- Bereinigungskrise als die USA. Der hierdurch wahrscheinlich demnächst ausgelöste Wirtschaftsabschwung kann durch die spanische Notenbank aufgrund der Euro- Zugehörigkeit nicht durch Zinssenkungen und eine Abschwächung der Landeswährung abgefedert werden, wie es derzeit in den USA geschieht. Die Auswirkungen einer abzusehenden spanischen Finanz- und Wirtschaftskrise auf Deutschland und die Euro- Zone dürften gravierender ausfallen als diejenigen der US- Immobilienkrise.

 

1. Die Finanzmarktturbulenzen im Spätsommer 2007 wurden bekanntlich von der US- Immobilienkrise ausgelöst. Dieser Krise ging ein etwa zehn Jahre dauernder starker US- Immobilienboom voraus, der offenbar zu Überbewertungen von US- Immobilien führte. Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt fand jedoch in Spanien im selben Zeitraum ein weitaus stärkerer Immobilienboom statt, der noch immer anhält. Spanien mit einer Bevölkerung von knapp 45 Millionen Menschen baut derzeit mehr Wohneinheiten als Deutschland, Frankreich und Italien zusammen, die gemeinsam eine Bevölkerung von über 200 Millionen Menschen haben. Dieser Zustand ist - bei Betrachtung mit gesundem Menschenverstand - völlig unhaltbar.

 

2. Die spanischen Immobilienpreise stiegen in den letzten zehn Jahren deutlich stärker als in den USA, aber nicht so stark wie in den 1980er Jahren in Japan. Die Überbewertung spanischer Immobilien dürfte derzeit stärker sein als diejenige in den USA, allerdings nicht so dramatisch wie in Japan um 1990. Im historischen Vergleich besteht ein deutlicher Korrekturbedarf für spanische Immobilienpreise. Ähnlich wie in Japan in den 1990er Jahren dürfte damit ein Börsenabschwung einhergehen.

 

3. Der Bausektor spielt in der spanischen Wirtschaft im Gegensatz zu den USA eine außergewöhnlich große Rolle. Ein bevorstehender Abschwung in der Baubranche dürfte zu einem allgemeinen Wirtschaftsabschwung führen. Dieser zunächst durch die Baubranche ausgelöste spanische Wirtschaftsabschwung, gepaart mit einem Immobilienpreisrückgang dürfte wie seinerzeit in Japan die spanischen Banken belasten und über geringere Kreditvergabebereitschaft zu einer weiteren Verstärkung des spanischen Wirtschaftsabschwungs führen.

 

4. Das Leistungsbilanzdefizit der USA beträgt derzeit in historischer Perspektive sehr hohe 5,5% des BIP. Ein solches Defizit ist nach Meinung der meisten Sachverständigen auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten, da es langfristig zu einer sehr hohen Auslandsverschuldung führt. Das spanische Leistungsbilanzdefizit ist jedoch - von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt - ungleich höher als das US- amerikanische. Es beträgt zur Zeit etwa 9% vom BIP. Das heißt von 100 Einheiten Gütern und Dienstleistungen, die die Spanier verbrauchen, werden derzeit nur etwa 91 selbst produziert, 9 werden aus dem Ausland auf Pump eingekauft. Die Auslandsverschuldung Spaniens steigt derzeit rapide an. Spanien ist zur Aufrechterhaltung seines Lebensstandards auf massive Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen. Bei Einsetzen des oben skizzierten zu erwartenden Wirtschaftsabschwungs, begleitet von einem Rückgang der Immobilienpreise und sinkenden Aktienkursen dürften die ausländischen Investoren nicht länger bereit sein, Kapital im bisherigen Umfang in Spanien anzulegen. Der Wirtschaftsabschwung dürfte sich dadurch weiter verschärfen.

 

Im Unterschied zu den USA und Japan kann die spanische Notenbank die Leitzinsen nicht senken, wie es die US- Notenbank derzeit tut, um eine sich abschwächende Wirtschaft zu stützen, da Spanien Mitglied im Euro- Währungsverbund ist. Im Unterschied zum US- Dollar kann sich die spanische Landeswährung infolge von Zinssenkungen nicht abwerten,           um das in historischer Perspektive extrem hohe Leistungsbilanzdefizit abzubauen und die Wirtschaft über vermehrte Exporte anzukurbeln. Das Fehlen nationaler geldpolitischer Handlungsspielräume dürfte daher den einsetzenden Wirtschaftsabschwung weiter verschärfen und könnte zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise Spaniens führen. In diesem Falle kann nicht ausgeschlossen werden, dass Spanien den Austritt aus dem Euro- Währungsverbund erwägt.

 

Angaben zum Autor:

Der Autor studierte Volkswirtschaftslehre und promovierte in Wirtschaftsgeschichte in München. 1993 bis 1995 war er aufgrund sehr guter Spanischkenntnisse u.a. für das Spaniengeschäft der Commerzbank AG zuständig. Nach neun Jahren Berufstätigkeit als Bankier unterrichtet er seit 2002                                                                 

 

Entwurf  Psychoide Fraktale in Arbeit, eine Rohfassung des Buchprojektes kann ggf. übersandt werden.

Bitte nehmen Sie zu mir Kontakt auf

r.lenkewitz@ocmts.de