“Autobiografie & Retrospektive”        Rolf-Dieter Lenkewitz

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TIMOTHY LEARYs LETZTER TRIP

Timothy Leary, LSD-Guru der 60-er Jahre, macht weiterhin von sich reden. Erst plante er auf dem Internet zu "de-animieren", wie er seinen Tod selbst nannte, am Montag (21.4.97) trat ein Teil seiner Asche, zusammen mit den sterblichen Überresten weiterer 23 Reisepartnern den letzten Trip an: ins Weltall.hgstar

Für die einen war er "Ikone der Alternativkultur" (New York Times), für die anderen der "gefährlichste Mann Amerikas" (Nixon-Regierung) - jetzt stand Leary erneut im Mittelpunkt. Diesmal gar einer definitiven Weltpremiere: der ersten Weltraum-Beerdigung, ein "gedenkender, Post-Krematoriums-Weltraumflug", wie es der Veranstalter dieser letzten Reise, die Firma Celestis aus Houston, Texas nennt.

Für Dr. Leary, den ehemaligen Harvard-Professor, der eine ganze Generation mit LSD auf den inneren Kosmos antörnen wollte, wurde ein Traum, wenn auch posthum, wahr. Carol Rosin, eine enge Freundin, die bei ihm war, als er im Mai letzten Jahres an Prostatakrebs starb: "Timothy war immer ein Space-Pionier, wollte immer gerne selbst einmal dorthin reisen - jetzt hat er die Gelegenheit". Leary war nicht allein an Bord. Jeweils 7 Gramm Asche von 23 weiteren "Ashtronauten", dicht versiegelt in einer kleinen Kapsel mit persönlicher Inschrift (Learys: "Peace Love Light YouMeOne"), hoben an Bord einer Rakete in den Weltraum ab. Weiterer prominenter Mitreisender: der Guru des Äußeren Kosmos, Gene Roddenberry, Erfinder der TV-Serie Raumschiff Enterprise. Obwohl er, bereits 1991 gestorben, noch nichts von der Weltraumbeerdigung wußte, glaubt seine Witwe Majel Roddenberry: "Es war eine Art Kulmination von Gene's Träumen und Visionen." Chan Tysor, Chef von Celestis, bedauert, daß die Verstorbenen nicht bei Lebzeiten ins All fliegen konnten. "Sie sind dennoch Vorreiter. Das ist alles was möglich ist, bis Weltraumreisen eines Tages normal sein werden."

Ein Lockheed L-1011 Flugzeug startete am vergangenen Montag Mittag auf dem Militärflughafen Gando auf Gran Canaria, Kanarische Inseln, und trug die dreistufige amerikanische Pegasus-XL-Rakete hinaus aufs Meer, hoch auf rund 11.000 Meter: Dort wurde die geflügelte Rakete ausgeklinkt. Sie ging für einige Sekunden in einen Gleitflug, bevor die Triebwerke zündeten. 10 Minuten später war die dritte Stufe, mit den Mini-Urnen im Spezialgestell sowie der Hauptfracht, Spaniens erstem Forschungssatelliten MiniSat, im erdnahen Orbit. Dort bleiben Urnen und dritte Stufe zwischen 18 Monaten und 10 Jahren, bevor sie die Gravitation zurück in die Erdatmosphäre zieht, wo sie wie eine Sternschnuppe verglühen werden. Chan Tysor unterstreicht: "Bei den Missionen von Celestis verbleibt keinerlei Weltraumschrott". Er weiß auch, das es genau dieses Verglühen war, was Leary am meisten faszinierte: "Die Aussicht Licht zu werden begeisterte Timothy sehr".

Carol Rosin, ehemalige Managerin in der Militärflugzeugindustrie und jetzt Advokatin friedlicher Weltraumnutzung, war es, die Leary den Space-Trip buchte. Kurz vor seinem Tode sagte er zu ihr: "Bring mich in den Äußeren Kosmos!" Rosin fragte NASA-Freunde und stieß auf Celestis. Das Werbevideo, das die Firma dann schickte, versetzte Leary in Entzücken: "Als Timothy das Verglühen sah, sprang er buchstäblich im Rollstuhl auf und ab", sagte Rosin. "Am Ende werde ich zu Licht. Wir alle sind Lichtträger... Licht ist die Sprache der Sonne und der Sterne, dort wo wir uns alle wiedertreffen werden...", sagte Leary später, Stunden bevor er verschied.

Er freute sich auch darauf "dort mit anderen hinzugehen". Unter den Weltraum-Enthusiasten, deren Asche jetzt die Erde umrundet, sind unter anderem Dr. Gerard K. O'Neill, Physiker in Princeton, der die ersten wissenschaftlichen Konzepte für Weltraumkolonien entwarf oder Krafft Ehricke, ein Ingenieur in Nazideutschlands V-2-Programm und den spätereren U.S. Apollo-Missionen sowie andere Wissenschaftler und Piloten.
"Diese Idee gibt es schon seit den 30-er Jahren und seit den 50-ern haben Leute dies immer wieder in ihren letzten Willen aufgenommen", sagt Charles Chafer, Mitbegründer von Celestis. Ein paar Freunde und Angehörige beobachteten tief gerührt das Geschehen im Kontrollzentrum auf Gran Canaria. "Es war ein sehr bewegender Tag. Vor allem für die Angehörigen, die jetzt wissen, daß ihre geliebten Verblichenen alle 90 Minuten über ihnen vorbeiziehen werden", beschrieb Chafer, das Geschehen.

Auch Spaniens Verteidigungsminister Pedro Morenes verfolgte den Start. Sein Ministerium half, den 31 Millionen Dollar teuren MiniSat-Satelliten ins All zu bringen. "Spanien hat einen großen Erfolg in der Geschichte der Weltraumfahrt erzielt. Wir sind sehr zufrieden wie alles ablief," erklärte er einer Pressekonferenz nach der gelungenen Unternehmung. Auch die Vertreter von Orbital Sciences, ein Unternehmen aus Dulles, Virginia, das weltweit Weltraumfrachten makelt und das die Pegasus-Rakete stellte, priesen den Erfolg. Andererseits hatte sich der Start, für Mitte März geplant, immer wieder, um mehrere Wochen verschoben. Die MiniSat-Mission liegt komplett in den Händen des nationalen spanischen Luft- und Weltrauminstituts INTA. Der Satellit wird in etwa einer Woche mit astrophysikalischen Forschungsarbeiten beginnen.

4800 Dollar pro Ascheportion kostet der Flug in den Orbit. Nach der erfolgreichen "Founders Mission" kann sich Celestis kaum vor Nachfragen retten. Der nächste Start mit einer Taurus-Rakete, diesmal mit Platz für 150 Verblichene, soll im September von Kalifornien aus erfolgen. Um künftig auch europäische Gedenk-Asche ins All zu beamen, führt Celestis verschiedene Gespräche mit potentiellen Repräsentanten in Deutschland und England.
"Sicherlich ist diese Form des Gedenkens nicht nach jedermanns Geschmack, aber wir glauben, daß sie eine breite Akzeptanz finden wird. Wir hoffen im Jahr drei bis fünf Starts durchführen zu können," so Tysor. Der Weltraum wird weiterhin die Sphäre weniger, aber der Traum vieler sein. Wir geben jedem eine letzte Möglichkeit eins mit dem Universum zu werden".

Tom Sperlich ©
Freier Journalist
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